Geschichte im Kroatien-Lexikon

In der mittleren Altsteinzeit lebten im heutigen Kroatien die Neandertaler, auf der Insel Korcula hat man die ältesten Zeitzeugen dieser Epoche gefunden. Aus der frühen Bronzezeit stammen Wallburgen und Großsteinbauten, die der Besucher in der Hauptsache auf den Inseln Brac und Hvar findet – es entwickelte sich die megalithische Kultur, die von solchen großen Steinbauten geprägt ist. Diese Bauten gelten heute als große Sehenswürdigkeiten in Kroatien. In der mittleren und späten Bronzezeit vertreiben die zugewanderten Illyrer die Neandertaler, sie siedeln sich zu beiden Seiten der Adria an und entwickeln eine eigene Kultur. 400 vor Christi Geburt bis 400 nach Christus schreibt man in Kroatien die griechische Kolonisation und die römische Herrschaft: Auf der Insel Hvar wurde durch die Dorer die Stadt Pharos und auf Vis der Ort Vissa durch die Ionier gegründet. Die römische Flotte kämpft in dieser Epoche gegen die illyrischen Seeräuber, parallel dazu erobern Römer Dalmatien. Kaiser Augustus herrscht in Salona, welches Hauptstadt der Provinz Dalmatien wurde. Schon damals entwickelten sich Pula, Solin und Vid zu den größten Städten an der Küste Kroatiens. Kaiser Diokletians ließ während seiner zeit als Regent einen Prachtbau in der Nähe von Salona bauen, das waren die Grundmauern für das heutige Split. Auch in diese Zeit fällt das Ende der Christenverfolgung, welches durch das Toleranzedikt von Mailand besiegelt wurde. Heute wird es auch Mailänder Abkommen bezeichnet, im Jahr 313 nach Christus vereinbarten Kaiser Licinius und Konstantin I. allen Menschen freie Vollmacht in der Ausübung der Religion ihrer Wahl. Das bedeutete gleichzeitig die Freiheit der Glaubensentscheidung für alle Religionen und nicht nur die Gleichstellung des Christentums neben der römischen Religion.

Illyrien und Dalmatien

Nach der Teilung des römischen Reiches werden Illyrien und Dalmatien zu Teilen Westroms. Kroatien steht für einige hundert Jahre unter byzantinischer Herrschaft, slawische Siedler ersetzen nach und nach die bisher dort lebende Bevölkerung, nur in einigen Küstenstädten sowie auf den Inseln Rab, Krk und Cres wird die spätantike Kultur und die lateinische Sprache erhalten. Der venezianische Doge Peter Orseolo eroberte im 10. Jahrhundert die kroatischen Inseln nun endgültig, am 9. Mai 1000 segelte er nach Osor, der damaligen Inselhauptstadt. Die Einwohner ergaben sich ohne Widerstand und leisteten ihrem neuen Herrn sogar einen Treue-Eid. Im Jahr 1096 nahm König Peter Kresimir auch die Inseln in Besitz und fortan war er Herrscher über ganz Kroatien. Durch die Stärke der venezianischen Eroberer über den Seehandel stand die wirtschaftliche Entwicklung der Inseln, ihre Flotte verlor an Macht. Die Venezianer sahen die tüchtigen Inselbewohner als gefährliche Konkurrenz in diesem Teil der Adria an. So kam es dazu, dass die Bewohner der Inseln regelmäßig Abgaben zahlen mussten und obendrein auch die venezianischen Schiffe versorgen mussten. Da von den Inseln Krk und Rab nicht genügend Galeerensklaven zu Verfügung standen, mussten die Cres-Losinjer dafür herhalten und Männer abstellen. Mit der Gründung des Bistums Nin beginnt die Zeit der Anlehnung Kroatiens an die römische Kirche. Im Jahr 925 nach Christus wird Fürst Tomislav der erste kroatische König, selbst der römische Papst war damit einverstanden und krönte ihn. In der Zeit danach dehnt sich Kroatien bis an die Grenzen von Dubrovnik aus – der letzte König Kroatiens hatte keine Kinder und Kroatien wird nach seinem Tod zum „Anhängsel“ der Ungarn.

Kroatien im 11. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erlebte Kroatien als „mittelalterliches kroatisches Königsreich“ seine Blütezeit. Im Jahr 1102 übernahmen die Arpaden als ungarische Herrscher die kroatische Königskrone und regierten nun beide Länder. Diese Doppelregierung sollte bis auf einige Unterbrechungen durch die Türkenkriege im 16., 17. und dem frühen 18. Jahrhundert bis zum Jahre 1918 bestehen bleiben. Während dieses Zeitraums galt Kroatien aber niemals als ebenbürtiger Verbündeter seines Nachbarlandes Ungarn, die Kroaten waren immer abhängig von den Ungarn und galten als „Nebenland“. Im Jahr 1699 wurde mit den Türken der Friede von Karlowitz geschlossen und Kroatien wurde für kurze Zeit eine Provinz von Ungarn. Das war die einzige Ausnahme, ansonsten hatte Kroatien immer eine selbständige Verfassung. Dieser autonome Charakter sank aber im Laufe von 700 Jahren „ungarischer Begleitung“ immer weiter. Unter der venezianischen und osmanischen Herrschaft (1420 bis 1683) wird der Habsburger Ferdinand zum König gekrönt. Die vorläufige Grenze zwischen Habsburgern und dem osmanischen Reich verlief in dieser Zeit mitten durch das Land Kroatien. In diese Zeit fällt auch die komplette Zerstörung Dubrovniks durch ein Erdbeben. Die Österreicher waren es, die während der Balkanoffensive Kroatien aus dem Joch der Türken befreiten. Das heutige bosnische Gebiet Neum behält die Türkei als Durchgang zur Adria. Die Habsburger Monarchie wird im 19. Jahrhundert durch das Eingreifen des Kroaten Ban Josep Jelacic gegen ungarische Revolutionäre gerettet. Er gilt in Kroatien als Volksgeld und erreicht auch selbständige Rechte für sein Land. In der Geschichte bekannt ist die „Schlacht von Lissa“, in der die hauptsächlich aus Kroaten bestehende österreichische Flotte die Italiener besiegt.

Kroatien im 20. Jahrhundert

Man schreibt das 20. Jahrhundert, als die Kurorte Opatja, Crikvencia und Verli Losinj entstehen und die ersten Einnahmen aus dem Tourismus kamen herein. Die kroatische Armee kämpft im ersten Weltkrieg gemeinsam mit österreichischen und ungarischen Soldaten. Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges brich Kroatien alle Beziehungen zu Ungarn und Österreich ab und tritt dem Staat „Slowenien, Serbien und Kroatien“ bei, welcher später zum Königreich deklariert wird. Italien bekommt Istrien, Zadar, Cres, Losini, Lastovo, Palagruza und Rijeka zugesprochen. Durch König Alexander wird im Jahr 1924 der kroatische Landtag aufgelöst und das Land wird fortan von Belgrad aus verwaltet. Fünf Jahre später nennt wird Alexander Diktator des „Königreiches Jugoslawien“, nachdem er den Landtag aufgelöst und die kroatische Verfassung außer Gefecht gesetzt hatte. Kroatische Freiheitskämpfer sind es, die eineinhalb Jahre später dem Wirken des Diktators ein Ende setzen, indem sie ihn bei einem Attentat töteten. Am 10. April 1941 wird durch den Führer der national-radikalen Ustasa-Bewegung der unabhängige Kroatische Staat ausgerufen, im selben Jahr beginnen unter dem Kroaten Josip Broz Tito bewaffnete Widerstandskämpfer mit ihren Aktionen. Vier Jahre später wird die föderalistische Republik Jugoslawien ausgerufen und die italienisch besetzten Gebiete zurück gegeben. Staatspräsident Tito wird im Jahr 1953 zum Landes-Oberhaupt auf Lebenszeit gewählt. Ein nächster Schritt in die große Welt des Tourismus passiert 1960, als die adriatische Küstenstraße gebaut wird und die Industrialisierung des Landes voran getrieben wird. In dieser Zeit wandern auch viele Menschen aus Kroatien als Gastarbeiter nach Österreich und Deutschland aus, viele kehren erst sehr spät oder gar nicht in ihre Heimat zurück.


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Text (c) 2017: C. H.

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